Deutschlands großer Städte-Verkehrsatlas 2011 – Auto

Die einen ärgern sich im Stau. Die anderen warten genervt auf die S-Bahn. Wieder andere sind begeistert von den Straßen und Straßenbahnen ihrer Stadt. Die Geschmäcker der Bewohner einer Stadt sind oft so unterschiedlich wie die fahrbaren Untersätze, mit denen sie sich durch deren Gassen fortbewegen. Wie also misst man die Mobilität einer Stadt? Wie die Verkehrsfreundlichkeit? Mobil in Deutschland wagt einen ersten Versuch auch einmal mit Kriterien, die nicht sofort auf der Hand liegen oder zum Teil noch gar nicht bundesweit so richtig erhoben wurden. Unsere Quellen waren vielseitig. Wir haben alle Kommunen einzeln nach den Kriterien angeschrieben und abgefragt, einige Daten von TomTom erhalten und einige Daten online recherchiert. So haben wir herausgefunden: Deutschland will, dass seine Bürger gut vorankommen. Doch es gibt große und kleine Unterschiede in der Autofreundlichkeit der deutschen Städte.

Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Bremen, Hannover und Leipzig – diese zehn Städte, jede aus einem anderen Bundesland, haben wir miteinander verglichen. Und wir haben ihnen je nach Autofreundlichkeit Schulnoten gegeben. Eine 1 ist somit eine Top-Wertung, während man sich bei einer 5 oder 6 schleunigst nach einem Nachhilfelehrer in Sachen Mobilität umsehen sollte… Aber sehen Sie selbst:

Fahrzeuge pro Einwohner

Los geht’s mit dem Kriterium “Fahrzeuge pro Einwohner”: Da die ausgewählten Städte alle unterschiedlich viele Einwohner haben, überprüften wir mit Hilfe der KFZ-Zulassungsstellen, wie viele Autos zugelassen sind und setzten diese beiden Parameter in Relation. Heißt: Wie viele Autos kommen auf einen Einwohner? Wie mobil ist eine Stadt und Gesellschaft? Wie viele Fahrzeuge sind dafür in einer Stadt vorhanden? Eine Familie oder ein Single mit Fahrzeug ist mobiler als ohne. Bremen ist hier Spitzenreiter mit immerhin 0,584 Autos pro Person, gefolgt von Frankfurt mit 0,558 und München mit 0,557 Fahrzeugen. Stuttgart und Köln sind diesen drei Städten dicht auf den Fersen. Die wenigsten Privatwagen pro Einwohner verbucht Berlin für sich. Hier kommen gerade mal 0,378 Autos auf eine Person.

Anzahl der Straßenmeter pro KFZ

Mit der “Anzahl der Straßenmeter pro KFZ” wollten wir überprüfen, wie viel Platz auf den Straßen der Stadt für jedes einzelne Auto ist. Heißt: Kann man sich überhaupt noch einigermaßen ungehindert fortbewegen oder wäre es eher ratsam, die Vehikel übereinander zu stapeln? Die meisten Straßenmeter pro Auto bietet Leipzig. Dort stehen 7,66 Meter pro KFZ rein theoretisch zur Verfügung. Platz 2 im Platz-Eldorado nimmt Hannover mit 6,23 Metern ein. Köln erringt Bronze mit 5,41 Metern. Karosse an Karosse dagegen quälen sich in München die Autofahrer durch das enge Straßennetz. Hier stehen gerade mal 3,05 Meter zur Verfügung. Note 5 für diese geringe Anzahl an Straßenmetern pro KFZ.

Festinstallierten Blitzer

Nächste Kategorie “Anzahl der festinstallierten Blitzer bezogen auf die Anzahl der Fahrzeuge”. Hier interessierte uns die Summe aus Geschwindigkeitsmessern und Rotlichtmessgeräten. Und wen wundert es der Osten schneidet mit Leipzig  ziemlich mies ab. Verhältnismäßig wenig geblitzt (in Relation zur Anzahl der Fahrzeuge) wird in Berlin, Hamburg und Frankfurt. Das Thema unkontrollierte Radarüberwachung  ärgert Mobil in Deutschland seit Jahren. Denn wir konnten erfolgreich nachweisen, dass in den meisten Fällen nicht an Unfallstraßen, sondern an breiten, doppelspurigen Straßen, die geradezu zum Beschleunigen verführen, geblitzt wird. Ziel der festen Blitzer ist demnach wie bei den mobilen Blitzern oft das Füllen der Stadtkassen und nicht die Sicherheit der Bürger.

Taxis im Stadtgebiet

Sie kennen das. Sie warten auf ein Taxi und es kommt nicht oder dauert lange. Aber haben denn die Städte alle gleich viele Taxis, ist die Wartedauer auch gleich lang? Wie viele Taxis gibt es bezogen auf die Einwohner einer Stadt? Spitzenreiter ist hier Frankfurt mit 2,55 Taxis pro Einwohner. Platz 2 nimmt München ein mit 2,51 Taxis. Die wenigsten Taxis pro Einwohner haben Hannover, Bremen und Köln.

Durchschnittliche jährliche Staulänge

Wie lang ist der durchschnittlich auf 24 Stunden und 7 Tage die Woche gerechnete Stau in unseren Städten bezogen auf die Anzahl Einwohner? Was müssen Anwohner ertragen? Hier gibt es eklatante Unterschiede, wie uns die Zahlen von TomTom zeigen. TomTom erhebt hierfür in Echtzeit rund alle zwei Minuten http://www.tomtom.com/livetraffic die Daten. Starke Nerven in Sachen Stau brauchen die Bewohner von Köln und Hannover. Verhältnismäßig zügig durch die Stadt dagegen kommen Autofahrer in Berlin, Hamburg und Leipzig.

Tankstellen im Stadtgebiet

Tanken muss man mit seinem Auto. Ob es einem gefällt oder nicht. Muss man aber dafür auch Umwege in Kauf nehmen? Wie viele Tankstellen gibt es in einer Stadt bezogen auf die 100.000 Fahrzeuge? Am besten scheint, so zeigt diese Kategorie, Hannover mit Tankstellen bestückt zu sein. Hier stehen 100.000 Fahrzeugen über 30 Tankstellen zur Verfügung. Doch auch Hamburg schneidet mit über 25 Tankstellen gut ab. Frankfurt dagegen kann nur 13 Tankstellen anbieten, was mit mangelhaft bewertet wird. Eine “ausreichend” erhalten Berlin, München, Köln, Stuttgart und Bremen.

Umweltzone

Thema Umweltzone: Mobil in Deutschland schüttelt seit Monaten den Kopf über das Umweltzonen-chaos, plädiert für eine bundesweit einheitliche Regelung oder deren generelle Abschaffung. Die großen Erwartungen wurden bisher komplett enttäuscht. Denn: Sauberer hat diese Regelung die Luft in den Städten nicht oder fast nicht gemacht. Zudem ist der Verkehr daran nur zu einem Bruchteil beteiligt wird aber unverhältnismäßig schikaniert. Wie aber schaut es aktuell aus? Wer darf in welcher Stadt noch mit welchem Auto in die Innenstadt fahren? Hamburg ist die einzige Großstadt, die mutig genug ist, die Umweltzone nicht einzuführen. Hier gibt es eine klare Top-Note. In den anderen Städten gilt: Autos mit roter Plakette ist die Fahrt in die Innenstadt verboten. Fahrzeuge mit grüner und gelber Plakette dagegen dürfen vorerst noch ins Stadtzentrum einfahren. Lediglich in Berlin, Hannover und Leipzig gilt schon die strenge Regelung, bei der nur noch Autos mit grüner Plakette in die Umweltzone fahren dürfen. Das gibt Note 5 für die drei Kandidaten.

Autobahnring und innere Ringe

Nächstes Kriterium: “Gibt es in der Stadt einen Autobahnring oder einen inneren Ring?” Wo wird Umgehungsverkehr um die Stadt herumgeführt und wo entsteht überflüssiger Verkehr in der Stadt. Was in München seit fast 100 Jahren geplant, jedoch nicht umgesetzt wird, ist in Städten wie Berlin oder Köln schon lange fester Bestandteil: Der Autobahnring rund um die Stadt. Er entlastet eine Innenstadt vom LKW- und Transitverkehr. Er schenkt den Bewohnern weniger Staus, weniger Schlaglöcher und bessere Luft. Und er ist viel effektiver als jede noch so strenge Umweltzone.

Das Ergebnis

DAS ERGEBNIS des großen Städtevergleichs lautet: Keine der Städte ist wirklich autofreundlich. Die einen bekommen den Stau nicht in Griff, die anderen sind vor allem am Geld der Autofahrer interessiert. Befriedigend ist das Ergebnis noch am ehesten in den Städten Hamburg und München, gefolgt von Frankfurt und Düsseldorf. Danach reihen sich Berlin, Köln und Leipzig ein. Die hinteren Plätze belegen Stuttgart und Bremen, die rote Laterne geht an Hannover. Doch man muss an dieser Stelle auch festhalten, dass die Unterschiede in der Gesamtwertung nicht riesig sind. Heißt: Keine der großen, deutschen Städte ist in Sachen Verkehr ein totaler Flop, aber auch noch nicht wirklich top. Es gäbe viel zu tun. Gute Mobilität ist das Rückgrat einer funktionierenden Gesellschaft und auch die Basis für Wohlstand und sichere Arbeitsplätze. Eine Erreichbarkeit von Stadtvierteln ist unabdingbar für die Menschen und deren Lebensqualität. Das gilt auch und besonders für das Auto.

Mobil in Deutschland wird daher diesen Städtevergleich wiederholen und als nächstes auch einen Städtevergleich für den öffentlichen Nahverkehr erstellen.

Städte Verkehrsatlas 2011 – Auto GESAMTTABELLE PDF

Mehr dazu finden Sie selbstverständlich online unter www.mobil.org

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